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Müßiggang am Wochenende

Wie ist das mit dem Samstag? Ein Tag, auf den man sich freut, weil er zum Wochenende gehört, weil man einen ganzen Tag Zeit hat, alles zu tun, wozu man Lust hat. Entspannung pur.

Oft ist es bei mir so, dass ich von dieser Verheißung so aufgewühlt bin, dass ich morgens auch schon mal Joggen gehe, ohne viel darüber nachzudenken, sonst merke ich, dass ich darauf eigentlich nicht großartig Lust habe. Aber da es sich um diesen Tag, der so voller Möglichkeiten steckt, handelt, finde ich mich in Sportschuhen an der Lahn wieder. Der Regen erwischt mich auf halber Strecke. Bis dorthin hatte ich mich mit dem Tag schon angefreundet, obwohl eine meiner Hirnhälften noch im Bett liegt oder einem Traum nachsinnt, an den ich mich nicht mehr erinnere, lass ich den Tag schon langsam an mich heran treten.

Frühstück nach der Dusche. Schon überlege ich, wie wir den Kühlschrank für die nächste Woche füllen können. Der Aldi wird bei laufendem Betrieb renoviert. Regale, sogar ganze Abteilungen liegen komplett anders, als ich es vom letzten Samstag in Erinnerung hatte. Der Einkauf dauert doppelt so lang wie sonst. Ich fühle, wie mir die Einkaufstaschen in die Hand schneiden und dabei die Arme immer länger werden.

Zurück in der Wohnung ist da aber der freie Tag – Zeit endlich zu entspannen – womit eigentlich? Die Wohnung könnte mal geputzt werden. Staubsaugen, wischen, die Spülmaschine anwerfen.

Die Sonne findet ihren Weg in die Wohnung, nachdem sie sich über den Schlossberg erhoben hat, wir gehen spazieren in der alten Stadt, in der irgendwo ein Mittelaltermarkt tobt. “Kostet Eintritt.”
Der Kopf schaltet endlich mal ab. Luft schnappen. Leerlauf zulassen.

Und schon wieder sehe ich die Mußestunden und meine Gedanken mäandern durch ein Feld von Möglichkeiten, die mir die kommenden freien Stunden bieten, und münden in der Entscheidung, erst einmal etwas zu essen. Ich bin fast deprimiert darüber, dass es nicht länger dauert, weil noch Pasta vom Vortag da ist.

Jetzt sitze ich vor dem leeren Blatt und überlege mir immer noch, wohin mit den Minuten. Wie ist das mit der Zeit, wenn man zu viele Optionen im Kopf hat? Das führt dann dazu, dass man sich überlegt, die mit frisch gefüllten Batterien so gut funktionierende Fernbedienung des Fernsehers zu benutzen. Schließlich sind es nur noch wenige Sekunden bis zur Primetime auf allen Privaten und Öffentlich-rechtlichen und außerdem haben wir doch Wochenende. Läuft da nicht irgendwas Gutes? Ach nein, heute ist ja Samstag.

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