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Terminator Salvation – Keine Erlösung für Terminator-Fans

„Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt – jeder ist seines eigenen Schicksals Schmied“, zitierte Kyle Reese die Worte, die ihm sein Sohn John Connor aus der Zukunft für Sarah Connor mit auf die Zeitreise gab. Das Gleiche gilt allerdings für den dritten und vierten Teil der Terminator-Reihe. Begeisterten die ersten zwei Teile, so schnitten der dritte und vor allem vierte Teil mehr schlecht als Recht ab; mal abgesehen von der katastrophalen Terminator-2-Serie The Sarah Connor Chronicles. Aus Terminator 4 hätte der Regisseur McG eindeutig mehr machen können. Aber es ist eben keine Cameron-Produktion mehr. Um die Pros und Cons des Films abzuwägen, könnte man glatt eine umfangreiche Hausarbeit in Medienwissenschaften darüber schreiben. Im Folgenden werden nur kurz die wichtigsten Vor- und Nachteile der Darstellung der Zukunft angesprochen.

 

Anders als die Vorgänger, die in der Zukunft beginnen, aber in der Gegenwart spielen, fängt der vierte Teil in der Gegenwart an und spielt in der Zukunft. „Judgment Day“ hat bereits stattgefunden. Wir schreiben das postapokalyptische Jahr 2018. Die letzten Überlebenden des atomaren Schlages leisten erbitterten Widerstand gegen die neue Weltherrschaft – Skynets Maschinen. Doch was treuen Terminator-Fans hier präsentiert wird ist nicht die Zukunft, die sie erwartet haben. Da ist er endlich, der längst herbeigesehnte Teil, der endlich in der düsteren Zukunft spielt, aus der in den Vorgängern Ausschnitte gezeigt wurden. Genau danach haben sich Fans immer gesehnt, endlich diese Zukunft zu sehen, den Krieg der Menschen gegen die Maschinen. Doch genau das ist der Punkt, in dem Terminator Salvation enttäuscht.

 

Die Zukunft der ersten Teile wird in einem bläulich-düsteren Licht dargestellt. Die Oberfläche ist übersät mit Skeletten, Laser surren wie futuristische Blitze durch die rauen Nächte des nuklearen Winters und Ruinen zieren das Relikt der einst traumhaften Metropole Los Angeles, die zu einem Alptraum geworden ist. Hoffnungslosigkeit und eisige Schauer voll Wehmut, Trauer und Sehnsucht laufen eiskalt den Rücken hinunter. Doch die Zukunft des vierten Teils ist ganz anders. Als ich aus dem Kino taumelte, wusste ich nicht recht, ob ich lachen oder weinen sollte. Enttäuschung machte sich breit. Denn noch immer möchte ich diese Zukunft erfahren, von der ich auch nach dem vierten Teil nichts zu sehen bekam. Wirklich eine Schande. In der uns präsentierten Zukunft zeigt sich eine triste und verlassene Wüstenlandschaft à la Mad Max. Kurz sieht man einen Teil des zerstörten L.A.s – ein Meer aus Ruinen, Schutt und Asche. Aber das war es dann auch schon von der herbeigesehnten Zukunft. Die Wüstenlandschaft, die Wälder und Seen, die gesamte Umgebung, all das wirkt sehr authentisch, aber es ist eben nicht die Zukunft, die Fans aus den Vorgängern kennen. Die Handlung spielt überwiegend am Tage.

 

Ein Pluspunkt ist sicherlich die Darstellung eines authentischen Krieges zwischen Mensch und Maschine, welcher Luftkriege und Schlachten zu Wasser demonstriert. Was jedoch fehlt ist das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, die emotionale Message, dass die Menschheit kurz vor der totalen Ausrottung steht. Anstelle von Massenschlachten zwischen der Resistance und Skynet dekorieren Einzelverfolgungsjagden und individuelle Nahkämpfe den Präsentierteller der Zukunft, welcher gerade dadurch an die Vergangenheit erinnert. Denn das war das Prinzip der ersten drei Teile: Einzelkämpfe und Verfolgungsjagden.

 

Dasselbe gilt für die Darstellung dieses mächtigen Charakters John Connor, Anführer der Menschheit im Krieg gegen die Maschinen. Doch außer ein Paar Radiodurchsagen und Bezüge zu Connors Vergangenheit, wie die Aufnahmen Sarah Connors, die sich John immer wieder anhört, fehlt es John gänzlich an charakterlicher Tiefe. Einziger Pluspunkt: John hört das Lied von Guns’n Roses, welches er bereits als Junge im zweiten Teil hörte, als er in der Zukunft einen Mototerminator manipuliert. Im Gegensatz zu Connors oberflächlicher Darstellung wird Marcus Wright beleuchtet, indem er die Thematik Menschlichkeit versus Maschine illustriert. Wright hat die nötige Tiefe, die Connor fehlt. Dafür punktet Anton Yelchin in der Rolle des jungen Kyle Reese. Er besitzt Kampfgeist, Mut und Ausstrahlung. Auch das junge Mädchen an seiner Seite unterstreicht diese Charaktermerkmale. Wer sich an den ersten Teil erinnert, weiß, dass Kyle Reese noch nie Liebe gespürt hat und Frauen lediglich als „gute Kämpferinnen“ einordnet.

 

Zu den Pluspunkten des Films zählen auf jeden Fall die künstliche Intelligenz (angeblich wurde Wright von Skynet als Köder benutzt) und die Tatsache, dass die Maschinen noch die Leiter der Entwicklung hinaufklettern (es gibt noch keine Goliaths und fortgeschrittenen Terminatoren – mit Ausnahme von Wright) als auch die Darstellung des Internierungslagers und der Fakt, dass Connor noch kein Oberhaupt ist und den Generälen der Kommandozentrale, die seltsamerweise ein U-Boot ist, untersteht. Sozusagen stehen die Maschinen sowie die Resistance noch in den Anfängen. Doch hier fehlt es an strategischer Tiefe. Überhaupt mangelt es an Story und Kriegsatmosphäre. Es fehlt die düstere Endzeitstimmung. Dafür gibt es jede Menge Hollywoodeffekte – ein schlechter Tausch. Auch die Motorterminator und Harvester wirken zu stark wie ein Abklatsch von Transformers. Genauso nerven die sinnlosen Dialoge, die bereits aus den Chronicles vertraut sind. Man denke nur an die Worte Blair Williams’, als diese vom Feuer wegrutscht und sich an Wright ankuschelt damit sie nicht mehr friert, wo bleibt denn da die Logik? Ebenso verstrickt sich der Film in Widersprüchlichkeiten. Es heißt, man bewege sich nur am Tage, da die Terminatoren Infrarot benutzen. Im ersten Teil heißt es dagegen, dass sich Widerstandskämpfer nur nachts bewegen.

 

Das Ende des Films enttäuscht am meisten. Skynet ist kaum bewacht, als die Widerstandskämpfer zur Offensive vorrücken. Gerade hier sollte es nur so vor Terminatoren wimmeln. Aber ein einziger Verteidigungsturm und ein paar vereinzelte Terminatoren tun es dann wohl auch. Genial sind der Arnie-Gag sowie die Produktionsanlage der Maschinen in der Terminatorfabrik. Aber das war es dann auch schon. Das Ende wirkt zu abgehackt: Skynet wird zerstört und der Krieg geht auf dem Globus weiter. Hieß es denn nicht immer, Skynet den Stecker zu ziehen, würde dem Horror ein Ende bereiten? So steht es jedenfalls im Roman geschrieben. Aber da widerspricht sich bereits der dritte Teil, in dem es heißt, dass Skynet Cyberspace, ergo omnipräsent ist und nicht ausgeschaltet werden kann. Eine Thematik, die wirklich verwirrt.

 

Die Zukunft der Maschinen scheint genauso ungewiss wie der fünfte und sechste Teil. Ein futuristischer Krieg zwischen den Militärs und Skynets Maschinenheer im heutigen London klingt zunächst verlockend. Aber was wird dann aus der Trilogie, die die Zukunft thematisieren soll? Da erinnert man sich besser noch mal an Kyles Zitat: „Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt – jeder ist seines eigenen Schicksals Schmied“. Und vielleicht ist das auch gut so.

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