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Worte unserer Zeit

Buchvorstellung „Schwarzbuch Vergabe“ und darüber hinaus

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Es liegt eine Poesie in den Worten und eine Harmonie in ihrer Komposition, wenn auch keine schöne, heitere, fröhliche. Aber eine zukunftsweisende. Oder nicht? Das zu entscheiden liegt immer weniger in einfachen Händen – so hat man zumindest immer häufiger den Eindruck. Was von den Nachrichten der letzten Monate übrigblieb, stimmt nicht minder pessimistisch.

Der Motor all dieser Geschichten ist leicht identifiziert, der gemeinsame Nenner ist immer das Geld. Das Primat der Wirtschaft über die Politik, das Primat des Profits über die Wirtschaft; das Primat des Geldes über allem – die Weltherrschaft eines Gottes, dem alle unhinterfragt huldigen. Es ist offensichtlich und deshalb ist es traurig. Herz und Hirn werden schwer mit den Phrasen, die so sehr nach Stammtisch klingen, dass man sich schon vor sich selbst ekeln muss und vor einer Politik, die eine gemäßigte Sprache nicht mehr wahr- und/oder erstnimmt. Bücher werden geschrieben, Demonstrationen organisiert, ein Streik ausgerufen und hin und wieder gibt es einen #aufschrei – und doch spaltet sich Europa am Geld, während mit jeder Staatsanleihe, die China gnädig kauft, das westliche Kartenhaus immer weiter destabilisiert wird. Vor diesem Hintergrund fallen gebildete, optimistische Worte so schwer, als hätten sie nie existiert.

Im nächsten Monat wird in Deutschland gewählt. Das Land ist gespalten, das Wahlvolk frustriert und vor allen Dingen ratlos. Die einen rufen den Wahlboykott aus, die anderen verdammen die Wut und Ratlosigkeit und nennen sie Ignoranz. Nichts ist der Politik sympathischer als genau dieses Spannungsgefüge und nichts ist bequemer und populärer, als das Gefälle zu perpetuieren. Und doch bleibt am Ende dieses journalistischen Kleinkleins die Frage: Wie soll es weitergehen?

 

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Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
– Albert Einstein –

 

Trotz allem: Wir leben in der aufregendsten Zeit seit der Entdeckung des Feuers. Einer Zeit, in der es täglich Neuigkeiten aus Wissenschaft und Forschung gibt und mehr Gesellschaften denn je sich im Umbruch befinden. Die Welt ist in Aufruhr – während sich auf der entwickelten Vorderseite der technische Fortschritt überschlägt, löst sich das vermeintlich unterentwickelte Back-End schleichend in Wohlgefallen auf, wenn auch unter Schmerzen. Dieser Riss im Gefüge der immer weiter auseinandergehenden Scherenblätter bietet einen fruchtbaren Boden für Neues. Dieses Potenzial lässt sich aber nur entfesseln, wenn man den Blick mutig vom Alten abwendet und ausnahmsweise nur stur nach vorne blickt. Gesellschaften strukturierende Systeme müssen mit der Frage nach den Bedürfnissen beginnen und nimmt man Abstand von Luxus-Wehwehchen sind verallgemeinerungsfähige Bedürfnisse schnell identifiziert: Essen, Gesundheit, Kleidung, Wohnung, Sicherheit, Entfaltungsfreiheit.

Man könnte zum Beispiel das Geld ganz abschaffen und übergehen zu einer Ökonomie der Talente. Früher oder später wird es sowieso soweit kommen, aber der Mensch war schon immer ein eher stures Wesen, das lieber wartet, bis nichts mehr geht, sich abstaubt, aufsteht und neu beginnt…

Ich weiß jedenfalls nicht, was ich wählen soll – und bin zum ersten Mal nicht bereit, meine Stimme dem kleineren Übel zu spenden. Ich will wählen – ja. Aber mit Integrität.

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